Explosionsschutz: Optimierte Konstruktion – Permasteelisa Group
25. September 2026

Max Touhey

Explosionsschutz: Optimierte Konstruktion

Der Fachingenieur Guido Lori erläutert, warum bombensichere Fassaden der neue Sicherheitsstandard sind und wie die Permasteelisa-Gruppe dank Präzisionstechnik fortschrittliche Explosionsschutztechnologie in Fassaden der nächsten Generation integrieren kann, ohne dabei architektonische Visionen oder Ziele zur CO₂-Reduzierung zu beeinträchtigen.

Geopolitische Entwicklungen haben zu unvorhersehbaren Gefahren für die öffentliche Sicherheit in unseren bebauten Umgebungen geführt, darunter auch eine Zunahme von improvisierten Sprengsätzen (IEDs). In immer dichter bebauten Stadtzentren gefährdet eine Explosion jedes umliegende Gebäude, und explosionsgeschützte Fassaden, die früher nur Regierungsgebäuden und Botschaften vorbehalten waren, entwickeln sich rasch zu einer standardmäßigen, zukunftssicheren Anforderung für alle wegweisenden Bauprojekte.

Bei einer Explosion bildet die Fassade die erste Verteidigungslinie des Gebäudes. Sie muss die immense Energie der Druckwelle durch schnelle Bewegungen oder gezieltes Knicken absorbieren und ableiten, um den Gesamtschaden zu minimieren und vor allem das Leben der Menschen im Inneren zu schützen.

Die Compliance-Falle

Bei der Minderung des Explosionsrisikos greifen viele Bauträger und Architekten standardmäßig auf gesetzliche Rahmenvorschriften zurück, wie beispielsweise die Richtlinien der National Protective Security Authority (NPSA). Diese Rahmenvorschriften bieten zwar wichtige Grundlagenspezifikationen, doch ihre strikte Befolgung als Planungsleitfaden kann zu einer kostspieligen Überdimensionierung der Materialien führen, die den Einsatz von mehr Stahl, dickerem Glas und schwereren Tragkonstruktionen erfordert.

Optimierung: Ein Gleichgewicht zwischen Ästhetik, Nachhaltigkeit und Sicherheit

Unser Ansatz bei der Planung maßgeschneiderter, explosionssicherer Vorhangfassaden basiert auf Systemen mit mehreren Freiheitsgraden (MDOF) – dabei nutzen wir präzise Berechnungen, um das tatsächliche Verhalten der Fassade vorherzusagen. Durch die Nutzung genauer technischer Daten können wir dünnere, leichtere Profile entwerfen, die den CO₂-Fußabdruck im Vergleich zu herkömmlichen explosionssicheren Spezifikationen erheblich reduzieren, und gleichzeitig sicherstellen, dass die Fassade extremen dynamischen Belastungen intelligent standhält.

Dieser leistungsorientierte ingenieurtechnische Ansatz ermöglicht es uns, ein wichtiges Gleichgewicht zwischen architektonischem Umfang und Schutzstufen herzustellen, um eine explosionsgeschützte Fassade mit Gestaltungsmerkmalen wie Öffnungen und Glaslamellen in Einklang zu bringen. Durch die präzise Steuerung der Öffnungsrichtung, die Begrenzung des maximalen Öffnungswinkels, den Einsatz mehrerer Fassadenhäute und die Verwendung lokaler Verstärkungselemente können wir beispielsweise sogar in eine Fassade der „höchsten Gefahrenstufe“ zu öffnende Fenster integrieren.

Materialwissenschaft und dissipative Komponenten

Bei einer Explosion wird chemische Energie freigesetzt, die sich halbkugelförmig ausbreitet, und Werkstoffe verhalten sich unter diesen extremen dynamischen Belastungsraten völlig unterschiedlich. Unser ingenieurtechnischer Ansatz bringt drei Faktoren in Einklang: die Aufrechterhaltung der strukturellen Integrität der Tragwerkselemente, die Minderung der Gefahren durch umherfliegende Glassplitter und die Minimierung der auf die primäre Gebäudestruktur übertragenen Last. Um dies zu erreichen, müssen jedoch alle Bauteile gleichzeitig modelliert werden, um ihre komplexen Wechselwirkungen untereinander zu erfassen.

Systemweite Modellierung und Prüfung

Um über Standardnormen hinauszugehen, die einzelne Elemente isoliert betrachten, erfasst unsere hauseigene Plattform Testudo das dynamische Zusammenspiel zwischen Glas, Rahmen und Halterungen als ein einheitliches Gesamtsystem. Diese maßgeschneiderte Software basiert auf einer wissenschaftlich begutachteten Methodik, die in zahlreichen Konferenzbeiträgen und Fachzeitschriften veröffentlicht wurde.

Testudo ermöglicht es unseren Teams, äußerst realistische und kosteneffiziente Explosionsschutzlösungen für verschiedene Bauweisen zu entwerfen, darunter modulare Fassaden, Stick-Systeme, Seilkonstruktionen und Closed-Cavity-Fassadensysteme (CCF). Jedes System wird individuell entwickelt und lässt sich an mittlere, hohe oder extreme Gefährdungsprofile anpassen. Auf Wunsch wird es geprüft, um anerkannte Explosionsschutznormen zu erfüllen. Wir kalibrieren unsere digitalen Modelle kontinuierlich anhand physikalischer Daten, die von Materialprüfungen auf Komponentenebene bis hin zu Explosionsversuchen im Originalmaßstab an kompletten Fassadeneinheiten reichen.

Neuartige Komponenten

Um die Hauptlast eines Aufpralls von der Verglasung oder den Hauptbetonplatten abzuleiten, haben wir außerdem eine patentierte dissipative Halterung entwickelt – ein innovatives Bauteil, das unter alltäglichen Windlasten starr bleibt, jedoch so konstruiert ist, dass es unter dem extremen Impuls einer Druckwelle „zerbricht“. Indem die Halterung die Energie durch kontrollierte Verformung absorbiert und ableitet, mindert sie die Übertragung auf die primäre Gebäudestruktur und verhindert ein katastrophales Versagen der Verglasung.

Forschungs- und Entwicklungspartnerschaften

Neben unseren hauseigenen Fachingenieuren, die in diesem Bereich tätig sind und direkt an unseren Projekten mitarbeiten, pflegen wir langfristige Partnerschaften mit Universitäten weltweit, um sicherzustellen, dass unsere Konstruktionen auf den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen und der aktuellsten Materialforschung basieren. Dazu gehören:

  • Imperial College London (Großbritannien): Erforschung der Eigenschaften von Zwischenschichten und Rahmenmaterialien unter hoher Beanspruchung.
  • HafenCity-Universität Hamburg (Deutschland): Vertiefung des Verständnisses der Tragfähigkeit von Glaskonstruktionen und der Prüfung dissipativer Halterungen
    Universität Melbourne (Australien):
    Untersuchung des Verhaltens von Glas nach Rissbildung, der Wechselwirkungen zwischen Struktur und Medium (aeroelastische Dämpfung) sowie der Versagensarten von Verbundglas.
  • Cranfield University (Großbritannien): Untersuchung der Scherrelaxation zwischen Schichten unter extremen Belastungen.
  • University of Technology Sydney (Australien): Analyse von Profilen mit thermischer Trennung.
  • TU Dresden (Deutschland): Untersuchung der Wechselwirkung zwischen Fassade und Gebäudestruktur unter Explosionsbelastungen.

Die Wirtschaftlichkeitsanalyse

Eine optimierte explosionsgeschützte Fassade ist eine langfristige Geschäftsstrategie, die den Wert einer Immobilie über deren gesamten Lebenszyklus hinweg steigert. Die Konstruktion eines Gebäudes, das Explosionsenergie dynamisch absorbiert, senkt dessen Risikoprofil erheblich, was von den Versicherern langfristig durch reduzierte Prämien direkt anerkannt wird.

Bei den Bombenanschlägen auf das britische Finanzviertel in den 1990er Jahren entstanden die höchsten finanziellen Verluste nicht durch den Einsturz von Gebäuden, sondern durch Betriebsunterbrechungen. Eine optimierte Fassade begrenzt strukturelle Schäden im Falle eines Vorfalls, schützt damit das Gebäude und – was am wichtigsten ist – Menschenleben. Außerdem ermöglicht sie eine effektive Wiederaufnahme des Geschäftsbetriebs.

Weltweit führende Unternehmen

Mithilfe unserer führenden Technologie haben wir bis heute weltweit über 50 große explosionsgeschützte Fassaden erfolgreich entworfen, gefertigt und montiert, darunter einige der bekanntesten und am strengsten gesicherten architektonischen Wahrzeichen, darunter:

  • New York: One Vanderbilt, Hearst Tower, Hudson Yards, 3 World Trade Center, Flughafen LaGuardia und One Bryant Park.
  • London: Salisbury Square, London Wall Place, Bloomberg-Hauptsitz, 99 Bishopsgate, 52 Lime Street (The Scalpel) und 8 Canada Square.
  • Weltberühmte Bauwerke: KL118 (Kuala Lumpur), Lex 2000 (Brüssel), das Gerichtsgebäude von Paris (Paris), die US-Botschaft (Peking), der O’Hare International Airport (Chicago), die Commonwealth Law Courts (Melbourne) und die Zentralverwaltungsgebäude (Hongkong).

 

Wenn Sie mehr darüber erfahren möchten, wie Sie über die reine Einhaltung von Vorschriften hinaus zu einer intelligenten, optimierten Konstruktion gelangen, wenden Sie sich bitte an g.lori@permasteelisagroup.com.

Neueste Standpunkte